Zoia Laufenberg

Zoia Laufenberg weist in ihren Fotografien auf den steten Wandel der Welt und die Veränderung von Zuständen und Erscheinungsformen hin. Das Ergebnis sind hochgradig ästhetische und zugleich dokumentarisch wirkenden Arbeiten. Fließende Formen, weiche Bewegungen, Objekte in der Metamorphose – diese flüchtigen Erscheinungen werden von Laufenberg mit beinahe wissenschaftlicher Sachlichkeit und Präzision erfasst.

Die 1978 in Chelyabinsk im russischen Südural als Tochter einer Ärztin geborene Künstlerin war bereits als Kind fasziniert von dem ästhetischen Wert der zu dokumentarischen Zwecken angefertigten Detailaufnahmen organischer Formen, die sie in den medizinischen Fachbüchern ihrer Mutter entdeckt hat. Heute sucht sie ihre Motive ganz gezielt auch im wissenschaftlichen Umfeld. So entstand die Werkreihe Embodiment, indem sie ein Projekt zur Erforschung biophysischer Prozesse der Formentwicklung am Zentrum für Entwicklungsbiologie der Uni Freiburg begleitete und die biophysischen Prozesse auf künstlerische Weise dokumentierte.

Im Kern geht es dabei immer wieder um Materie und Bewegung, die nach Laufenbergs eigenem Verständnis thematisch im Zentrum ihrer Arbeit stehen: „Unsere Welt befindet sich in einem ständigen Kreislauf von Erneuerung und Zerfall. Dinge entstehen, existieren, lösen sich schließlich auf und verbinden sich zu anderen, neuen Gebilden. Dabei ist es oft schwer, wenn nicht gar unmöglich, zu bestimmen, in welchem dieser Vorgänge ein bestimmtes Objekt gerade begriffen ist. So scheint etwa ein brennendes Holzscheit sich auf den ersten Blick im Prozess der Auflösung zu befinden; gleichzeitig jedoch verwandelt es sich in Neues – Asche, Rauch, Hitze. Und auch diese neuen Dinge verlieren schnell wieder ihre eindeutige Identität, lösen sich auf und verbinden sich mit Anderem, dabei wiederum Neues hervorbringend. Die Motive meiner Arbeit spiegeln diesen Kreislauf wider; auch sie zeigen den Vorgang der Auflösung und gleichzeitigen Neu-Verkörperung.“

Laufenbergs Kindheit im Südural war unterbrochen von einem fünfjährigen Aufenthalt in Algerien. Diese Zeit prägt die ästhetische Auffassung der Künstlerin bis heute ebenso wie ihre intensive Beschäftigung mit japanischer Kultur und der fernöstlichen Philosophie über Leere und Formästhetik. Während sie sich bereits das Medium der Fotografie aneignete, studierte sie von 1995 bis 1998 Innenarchitektur an der Hochschule Chelyabinsk. Seit dem Jahr 2000 lebt sie in Deutschland, wo sie zunächst bis 2007 in Krefeld Produktdesign studierte und seitdem als freie Künstlerin in den Bereichen Fotografie und Lichtinstallation arbeitet. Ihre Arbeiten waren bereits in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, so unter anderem im Rahmen der Ausstellungsreihe „Linie Kunst“ in Mönchengladbach (2013), im städtischen Museum Schloss Rheydt (2012), im Käthe Kollwitz Museum Köln (2011) sowie im Technologiezentrum Aachen (2010) und im Forum für Kunst und Architektur in Essen (2010).

»Wandlung ist das Leben. Es ist eine Illusion, dass irgendetwas fest ist.
Auch wir verändern uns stetig, absolut alles verändert sich.«

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