Veronica Cay

Die komplexen und vielschichtigen Zeichnungen der australischen Künstlerin Veronica Cay haben alle etwas gemeinsam: einen Moment der Zerbrechlichkeit. Gedankenversunkene Gesichter und fragile Körper scheinen in einem diffusen Raum zu verharren. Mal wirken sie ganz klar, mal verwaschen, zerrissen, geflickt oder sind nur noch als flüchtiger Schattenriss erkennbar.

Cays Werke erwecken geradezu den Anschein einer surrealen Anthropologie. Die Linie wird zum roten Faden einer Geschichte, die den Betrachter in der Intimität eines Momentes umschlingt, aber ebenso die Unmittelbarkeit eines Körpers, bewegt durch ein Zeit/Raum-Kontinuum, erfasst.

Ihr Verständnis für Form, Materialität und Komposition erwarb die gebürtige Australierin bereits während ihres Studiums der Textilkunst und Kunstgeschichte in den frühen 80ern und 90ern. Den Weg als freischaffende Künstlerin beschreitet die Autodidaktin jedoch erst seit 10 Jahren. Dabei bewegt sich Cay nicht nur im Feld der Zeichnung. Einen weiteren Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens stellen plastische Arbeiten aus Ton dar. Das Sujet bleibt stets das selbe: die menschliche Figur.

Im Kern geht es immer wieder um die Facetten des Lebens und Menschseins. Das Bild wird zum Medium, welches Cays eigene künstlerische und geistige Auseinandersetzungen während des Entstehungsprozesses widerspiegelt und die Zerbrechlichkeit wie Schwächen des Lebens und der menschlichen Natur aufzeigt. Ihre Linie erfasst dabei nicht nur die Form, sondern wird zu einer erratischen Beschreibung, die viel über die Urheberin und das Modell verrät. Den komplexen inneren und äußeren Kampf der Werkentstehung aufzeigend, stehen Cays Zeichnungen paradigmatisch für die Diversität des Lebens an sich. Verschiebung, Anpassung und Schichtung von Marken und Materialien werden zu einem Akt des visuell-konstruktiven Nachdenkens. Über den künstlerischen Prozess versucht Cay die Anwesenheit des Seins zu erfassen und zugleich durch Verödung der Oberfläche ein Fehlen oder einen Verlust aufzuzeigen. Grundlage für jedes neue Werk sind zahlreiche Studien und dabei ganz besonders die intensive Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur, die während des Aktzeichnens entsteht.

Veronica Cays Arbeiten werden erstmalig in Deutschland durch die artnow Gallery repräsentiert. In Australien waren ihre Bilder und Keramiken in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Ihre Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen wie der des Siena Institute of Art (Italien) und der National Fibre Collection Tamworth. In privaten Sammlungen sind ihre Arbeiten in Australien, England und Hong Kong vertreten.

Veronica Cay lebt und arbeitet mit ihrem Partner und Künstler David Green an der Sunshine Coast in Queensland Australien. Sie ist Mutter von drei erwachsener Kinder.

»I am trying to develop a personal language as a vehicle to convey meaning and ideas and as an endeavour to express the fragility and frailties of life and the human condition.«

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