Owen Normand

Schon auf den jugendlichen Owen Normand übten Bilder eine große Faszination aus, und so widmete er sich bereits in jungen Jahren begeistert und ausdauernd der Malerei. Als der 1984 in Schottland geborene Normand dann auch noch als Jugendlicher ein erstes Bild an den bekannten schottischen Dramatiker John Byrne verkaufen konnte, gab ihm dieser Erfolg den Anstoß, eine künstlerische Berufslaufbahn zu wählen. So studierte er am Edinburgh College of Art im Fachbereich Illustration, entschied sich aber schon während seines Studiums sehr früh, die im Studium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse lediglich als Grundlage für seine dann folgende Arbeit als freier Maler zu nutzen.

Heute arbeitet Normand in einem Stil, den er selbst als »expressiven Realismus« bezeichnet. Oft verbindet er darin eine detailgenaue Wiedergabe einzelner Objekte aus der präzise beobachteten Natur mit einem kreativen, für den Betrachter häufig überraschenden Arrangement der dargestellten Objekte. Er arbeitet fast überwiegend mit Ölfarbe und widmet sich dabei den traditionellen Sujets der Landschaftsdarstellung, des Stilllebens und des Portraits. Sein Blick auf die Umgebung ist dabei geprägt von dem Bewusstsein der Unbeständigkeit aller uns umgebenden Dinge, die der Künstler in seinen Bildern in einer flüchtigen Schärfe festzuhalten versucht. So entsteht für ihn bei der Arbeit eine »bittersüße Atmosphäre», wenn es gelingt, einem Moment, der unweigerlich verblassen wird, mithilfe der Malerei Beständigkeit zu verleihen.

Ganz in diesem Sinne ließ sich Normand von der japanischen Ästhetik des Schneidens (kire) zu seiner Serie Cut – Continuum inspirieren. Die Ästhetik des Schneidens ist ein zentrales Element der traditionsreichen Kunst des Blumenarrangements, des Ikebana, was wörtlich »lebende Blumen« bedeutet, denn obwohl den Blumen beim Abschneiden der Wurzel ihr Lebensquell genommen wird, lässt sich die Überführung der Blume zu einer neuen Ästhetik im Kontext des Blumenarrangements auch als Aufwertung oder Belebung verstehen. Dabei wird die inhärente Vergänglichkeit der Blume beschleunigt zugunsten eines nur kurze Zeit währenden neuen, besonderen, intensiven Daseins von besonderer Präsenz. Wer die eigenwilligen Arrangements in den Bildern der Serie Cut – Continuum sieht, kann sich diesem Spannungsfeld nicht entziehen.

Normand malt bevorzugt nach Modell, aber auch Skizzen und Fotos dienen dem Künstler als Vorlage. Die Bildidee wird zunächst stets in mehreren Skizzen festgehalten. Auf diese Weise versucht der Künstler verschiedene Kompositionen und Arrangements. Sobald er sich für einen Bildaufbau entschieden hat, beginnt er mit einer monochromen Umbra-Untermalung, in der er die Komposition und die Tonwerte gezielt herausarbeitet. Das Licht ist dabei von zentraler Bedeutung, denn im Ergebnis entstehen Bilder von großer Leuchtkraft, in denen die Schatten den physikalischen Objekten in der Bedeutung in nichts nachstehen.

2013 erhielt Owen Normand für seine Arbeiten den prestigeträchtigen BP Portrait Young Artist Award und wurde von Rebecca Wilson, der Chefkuratorin von Saatchi Art, zu einem von 15 vielversprechenden Künstlern aus der ganzen Welt ernannt. Er hatte bereits Einzelausstellungen in Lissabon (2014), Kulmbach (2015) und Berlin (2017). Zudem wurden seine Arbeiten in Gruppenausstellungen in London, New York, Berlin, Edinburgh und Glasgow ausgestellt und finden sich in privaten Sammlungen in Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien, Portugal, den Niederlanden, den USA, Kanada, Mexiko, Singapur, Australien und Hong Kong.

 

»I am interested in capturing a fleeting poignancy in my work: showing a moment that will inevitably fade. My work is characterised by a bittersweet atmosphere and an awareness of the passing of all things.«

1782Owen Normand