Kyle Barnes

Der 1986 in Irland geborene Kyle Barnes fertigt mit Ölfarben auf der Leinwand hyperrealistische Portraits in einer solchen Präzision an, dass viele Betrachter zunächst davon ausgehen, sie würden sich eine Fotografie ansehen. Doch es geht Barnes in seinen Arbeiten um weit mehr als nur um die Lust an der handwerklichen Perfektion. Er versteht seine Portraits als Kommentar zu dem steten Wandel, dem der Mensch auf seinem Weg durchs Leben unterworfen ist und von dem er nicht nur als Person geformt, sondern auch äußerlich geprägt wird. So sind die Gesichter der Menschen in den oftmals großformatigen Arbeiten von Barnes auch erkennbar von den Spuren des Lebens gezeichnet, und das gleich auf zwei Ebenen: Das Leben hat seine Spuren in die Physiognomie eingeprägt, in den Gesichtsausdruck, die Textur der Haut, die Züge um Augen und Mundwinkel, und ist auf diese Weise mit ihm verwachsen und zu einem untrennbaren Teil von ihm geworden. Die Zeichnungen des Lebens finden sich in zahlreichen Motiven von Barnes aber auch in den für ihn inzwischen als charakteristisch zu bezeichnenden Spuren von Farbe auf der Oberfläche der Haut – in Gesicht und Haaren, an Händen und Armen. Dieser Farbauftrag innerhalb des Motivs lässt sich als oberflächliche, abwaschbare, noch reversible Einwirkung des Lebens lesen, die beginnt, sich in die Haut einzuprägen und mit dem Menschen zu verschmelzen.

Um die erwünschte Wirkung zu erzielen, beschäftigt sich der heute im britischen Southampton lebende Künstler im besonderen Maße mit der Oberflächenstruktur von Haut und Haar und nutzt das Gewebe der Leinwand beim Farbauftrag, um eine täuschend realistische Darstellung zu erreichen. Diese Qualität hat ihm bereits zahlreiche Preise wie den Towry Award 2012 der National Open Art Competition und 2014 den Young Artist Award sowie den People’s Choice Award der Royal Ulster Academy Belfast eingebracht. Seine Arbeiten finden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen und werden in namhaften Kunstpublikationen besprochen.

 

 

»In many ways our face is a landscape. Years of experiences etch their mark on us physically as well as mentally, shaping who we are and moulding us as people.«

1455Kyle Barnes